Shine & Dark

Shine & Dark
Titel

Inhalt

1GÜNTER BIALAS Schwarze Serenade (Wolf Wondratschek) 198909:39
ALBAN BERG Vier Lieder op.2 1908/0907:52
2Schlafen, nichts als Schlafen! (Hebbel)02:52
3Schlafend trägt man mich in mein Heimatland (Mombert)01:12
4Nun ich der Riesen Stärksten überwand (Mombert)00:59
5Warm die Lüfte, es sprießt Gras (Mombert)02:40
JAN F. FISCHER Lieder für Freunde (Max J.Hiti) 199214:02
6Sieh die Häuser03:19
7Freunde entlaßt mich02:31
8Intermezzo I01:59
9Warum?01:37
10Intermezzo II01:15
11Freundin01:14
12Gebet01:57
ARIBERT REIMANN Shine and Dark (James Joyce) 198919:52
131. And I have sat…01:44
142. Yea, for this love of mine01:12
153. Of thy dark life04:13
164. "Requiem aeternam dona ei, Domine"03:02
175. I intone the high anthem03:05
186. Wind thine arms round me…04:55
197. Let us fling to the winds01:40
ARNOLD SCHÖNBERG06:13
20Der verlorene Haufen (Klemperer) op.12/2 190704:15
21Am Strande (Rilke) o.op 1908?01:57
58:16

Impressum

Thomas Berau, Bariton
Martin Klingler, Klavier
Due Boemi di Praga (bei Lieder für Freunde):
Josef Horák, Baßklarinette
Emma Kovárnová, Klavier

Aufnahme:
29./30. Juli 97 (Bialas, Schönberg, Berg, Reimann)
23. November 97 (Fischer)
28. Juni 98 (Reimann)

Großer Saal der Hochschule für Musik Würzburg
Tonmeister: Jürgen Rummel

Gesamtzeit: 58'16

Titelbild: Barbara Schölß

Werkbeschreibungen:
Till Hass und Hans Dieter Sibitz (Fischer)

Layout und Satz: Zappe Grafik-Design

Einführung

Die Gesangsstimme in Günter Bialas' "Schwarzer Serenade" ist dem Duktus der Sprachmelodie des sarkastisch - ironischen Wondratschek-Textes nachgebildet. Das Klavier erläutert, stützt und kommentiert sparsam mit Einzeltönen, Intervallen oder kleinen Akkorden den gesungenen Text.

In deutlicher Brahms- und Strauss-Nachfolge stehen die frühen Lieder Alban Bergs. Dem expressionistischen Ausdrucksbedürfnis tragen sie durch erweiterte Tonalität und expressive Vielfalt auf kleinstem Raum Rechnung.
Im vierten Lied ist die Tonalität noch stärker erweitert als in den ersten drei Liedern. Lautmalerische Elemente im Klavier, so z.B. Arabesken bei "es flötet die Nachtigall" oder kristalline Klänge bei "Schnee", plötzliches Drängen, Aufbauen und Ausbrechen bei "er kommt noch nicht", darauf folgendes Fallen in die tiefste Lage des Klaviers sowie ein anschließender ruhiger Epilog sind Mittel, denen der Komponist in kleiner Form eine große Ausdrucksbandbreite schafft.

Jan F. Fischer zählt zu den bedeutendsten tschechischen Komponisten der Gegenwart. Im Zentrum seines Schaffens stehen Werke für Soloinstrumente und musikdramatische Formen. Die meisten seiner Opern und Ballette wurden auch im Ausland erfolgreich gespielt. Zu den bekanntesten Werken Fischers gehören die Opern "Romeo, Julia und Dunkelheit" und "Copernicus", geschrieben zum 100 jährigen Jubiläum des Prager Nationaltheaters. Die den "Due Boemi" gewidmeten "Lieder für Freunde" auf Gedichte von Max J. Hiti sind bereits Fischers drittes für Josef Horak, Baßklarinette und Emma Kovarnova, Klavier geschriebenes Werk. Aus Max J. Hitis Gedichtband "In einem fremden Land" hat der Komponist fünf Texte zur Vertonung ausgewählt und durch zwei virtuose instrumentale Intermezzi ergänzt.

Im Liedzyklus "Shine and Dark" von Aribert Reimann auf einen Gedichtzyklus von James Joyce ist die traditionelle Einheit von Gesang und einer den Gesang stützenden Klavierbegleitung weitgehend aufgehoben. Der Klavierpart erscheint hier oft als eigene musikalische Ebene gleichsam neben die Stimme gestellt.
Bei einer derartigen Gleichberechtigung zweier "Instrumente" verwundert es nicht, wenn weite Strecken von der Stimme allein bzw. vom Klavier allein gestaltet werden.
Die Reduktion des Klavierparts auf nur linke Hand bedeutet eine Einschränkung der pianistischen Möglichkeiten. So kommen auch einfachste Gestaltungsmittel zum Tragen: einstimmige Melodien (hierin der Stimme gleichgesetzt), kleine, nicht zu umfangreiche Akkorde, oftmals arpeggiert, sowie Geräuscheffekte, die mittels Abdämpfen der Saiten durch Hände oder ein Notenheft erreicht werden und Klänge hervorbringen, die von einem "erstickten" Klang über Fingerglissando auf den Saiten bis zu ritualartigen Gongklängen (Ende Nummer 6) reichen.

Arnold Schönbergs Ballade op.12 ist als Strophenlied mit deutlich erkennbaren unterschiedlichen Teilen, wiederkehrendem thematischen Material - z.B. walzerartigen Elementen - und klassischem Phrasenbau (jeweils zwei bzw. vier Takte, die sich rhythmisch entsprechen) das früheste und damit das am meisten dem spätromantischen Klavierlied (Strauss, Wolf, Mahler) verhaftete Werk der CD.
Im Gegensatz dazu weist Am Strande (Rilke) aus der späteren freitonalen Schaffensphase des Komponisten deutlich expressionistische Züge auf.
Eine freie, nicht mehr auf eine bestimmte Tonart festlegbare Tonalität, lautmalerische Figuren (z.B. am Beginn das wellenartige, dem Text entsprechende Arpeggieren), die große dynamische Bandbreite von pppp bis fff innerhalb einer Komposition von nur 21 Takten sowie der improvisatorische Gestus des Stückes tragen dem gesteigerten Ausdrucksbedürfnis Rechnung.

Über die Interpreten

Due Boemi ist ein international gefeiertes Ensemble, welches den hervorragendsten Baßklarinettisten auf der Welt präsentiert - Josef Horch. (The Clarinet - USA/Nov. - Dec.1988)

DUE BOEMI DI PRAGA

Kammerensemble der Tschechischen Philharmonie
Josef Horák, Baßklarinette - Emma Kovárnová, Klavier

Das Ensemble Due Boemi di Praga entstand im Jahre 1963. Es ist das einzige Ensemble der Welt in dieser Besetzung, das sich systematisch der Interpretation von Musikwerken von der Renaissance bis zum heutigen Schaffen widmet. Durch seine Tätigkeit rief es ein völlig neues Gebiet der Musikliteratur ins Leben, das bis dahin nicht existierte.

Weltbekannte Komponisten, wie Paul Hindemith, Bohuslav Martinu, Olivier Messiaen, Karlheinz Stockhausen, Frank Martin, Klaus Huber, Henri Pousseur, Kazuo Fukushima, Pablo Casals oder Alois Hába widmeten oder autorisierten Due Boemi di Praga ihre Werke.

Einige Jahre vorher -1955- entdeckte Josef Horák für die Musikwelt ein neues Solo- instrument, die Baßklarinette, die er als erster in der Welt von der lediglich orchestralen Betätigung auf das Niveau eines Soloinstruments emporhob. Sein weicher singender Ton wurde zum neuen Klangideal der Baßklarinette, durch neue Blas- und Atemtechnik erweiterte er ihren Umfang, die dynamische Skala und Ausdrucks- und technische Möglichkeiten. In entscheidendem Masse beeinflußte Horák so die Entwicklung des Baßklarinettenspiels in der ganzen Welt. Deshalb wird er von der Weltkritik als der "Paganini der Baßklarinette" bezeichnet. Sein erstes abendfüllendes Konzert im Jahre 1955 war gleichzeitig das erste Baßklarinettenrecital der Welt.

UNESCO - März 1988 - Internationales Kolloquium
Festival Leos Janácek - Paris


Martin Klingler

wurde 1964 in Karlsruhe geboren.

Nach seiner Ausbildung 1971-1983 am Badischen Konservatorium Karlsruhe (Klavier, Orgel, Posaune und Musiktheorie) studierte er 1984–1992 an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart bei Prof. Edgar Trauer (Klavier), Dr. Wolfgang Budday (Musiktheorie) und Prof. André Marchand (Künstlerisches Aufbaustudium Klavier).

Neben zahlreichen Meisterkursen in Klavier bei Karl Ulrich Schnabel, György Sebok und Leon Fleisher besuchte er auch Meisterkurse für Zeitgenössische Klaviermusik bei Bernhard Wambach und Claude Helffer, sowie für Liedbegleitung bei Irwin Gage.

Außer in Konzerten für Klavier Solo ist Martin Klingler häufig als Liedbegleiter und gefragter Kammermusikpartner zu hören. Er wirkte mit bei Gesamtaufführungen der Klavierwerke von Karlheinz Stockhausen (1990) und Pierre Boulez (1991); bei den Berliner Festwochen 1992 spielte er Pierre Boulez’ „2eme Sonate“.

1997 war er zusammen mit Thomas Berau Preisträger beim Internationalen Wettbewerb „Franz Schubert und die Musik des 20. Jahrhunderts“ in Graz.

Seit 1997 spielt er immer wieder als Gastpianist beim „ensemble recherche“.